Tabletten

Ich: Ich habe gelesen, es gibt jetzt Tabletten gegen Liebeskummer.

Er: Super, man kann jetzt alles mit Tabletten behandeln. Es sollte Tabletten gegen Rassismus geben und geben Borniertheit.

Ich: Ja, dann kann man endlich zu den FPÖ-lern sagen, „na, schon wieder vergessen, die Tabletten zu nehmen?“.

Wiener Melange

Heute war ich wieder einmal im Wiener Kaffeehaus. Diesmal das Prückel. Die Kellner schauen einem nicht an beim Bestellen. Sie versuchen einen so lange wie möglich zu ignorieren. Die Bestellung wird nicht mit einem freundlichem „ja gerne“ angenommen, sondern mit einem angedeuteten Kopfnicken, das nur die geschulte Beobachterin erkennt. Und dann denke ich mir, vielleicht sind sie Kapitalismuskritiker. Vielleicht wollen sie so authentisch wie möglich sein. Vielleicht wollen sie uns zeigen, dass sie die Lohnarbeit hassen. Dass sie einem nichts schuldig sind.

Zaghafter Fühling

Es ist Mitte März. Noch nicht Frühling aber auch nicht mehr Winter. Auch wenn letztgenannter sich vor wenigen Tagen noch einmal aufgebäumt, uns sein ganzes Können noch einmal demonstriert hat, indem er uns mehrere Wochen mit Kältegraden weit unter Null und mancherorts mit beträchtlichen Schneemassen eingedeckt hat. Doch jetzt hat auch dieses Aufbäumen ein Ende, so scheint es. Wir messen um die 10 Grad plus, sogar am Abend weht einem ein geradezu milder Windhauch um die Nase. Die Lokale in Wien beginnen die Konstruktionen für die Gastgärten vorzubereiten, die Rauchergruppen vor den Restaurants sind nicht selten größer als die Anzahl der Leute in den Räumlichkeiten. Wenn man durch die Gassen spaziert hört man Gelächter und Musik aus offenen Fenstern. Junge Leute halten in einem Altbau im zweiten Stock eine Party und sehen auf die Straße herunter, fast so, als wollten sie sagen, seht her, wie viel Spaß wir haben. Und ja, man ist geneigt neidisch zu sein.
Man bildet sich ein, den Sommer schon förmlich zu riechen. Bald, ja bald, wird man spät abends noch vor der Dämmerung auf den Stufen einer Kirche oder Denkmals sitzen können und mit seinen besten Freunden eine Flasche Wein oder ein paar Dosen Bier teilen. Die Bierkuriere, die illegal um 2€ kaltes Dosenbier verchecken, werden wieder ihre unauffälligen Runden drehen. Kleine Musikfestivals wieder an fast jedem Wochenende. Nie enden wollende Abende. Wenn man aus der Arbeit geht, ist der Tag noch nicht vorbei, sondern am Anfang. So fühlt sich der Fast-Frühlingsbeginn an. Doch die Bäume tragen noch keine Blüten, die Knospen sind erst am austreiben. Die Stadt ist noch grau. Und doch… Frühling wir können es kaum erwarten!

Männer und Frauen – Ein Missverständnis (?)

Ich habe versucht, mit einem Mann zu sprechen. Ich habe mich eine Stunde lang mit ihm unterhalten. Es hat nichts gebracht. Es ist nur schlimmer geworden. Ich dachte, wir könnten uns darauf einigen, das alles nur ein Missverständnis wäre. Dass Männer und Frauen in Wirklichkeit gleich wären…. aber dem war nicht so. Je länger wir uns unterhielten, desto schlimmer wurde es. Mit seinen 37 Jahren, sagte er, hätte er nur egomanische Frauen kennengelernt; deswegen seien alle Frauen egomanisch. Ich bin gescheitert. Ich bin in der Kommunikation mit dem Mann gescheitert. Zwischen uns war ein unüberwindbarer Graben. In dieser einen Nacht, in diesem einen Alkohol geschwängertem und dadurch überaus ehrlichem Gespräch ist das Mann-sein und das Frau-sein zutage getreten. Die Unvereinbarkeit.

Und wie naiv ich war. Wie leichtgläubig dachte ich in meiner Blase, Männer und Frauen könnten eine gemeinsame Sprache finden, könnten sich darauf einigen, dass alles nur Kultur-definiert sei, alles nur ein doofes Missverständnis. Doch für ihn war es nicht so. Ein großer, stattlicher Mann, war er. Einer von der Sorte, dass man dachte, er müsste sich vor nichts fürchten; und doch. Er fürchtete sich vor den Frauen, vor dem Frau-sein. Am Ende sagte er, lieber würde er sich einen Transen suchen, weil der wäre wenigstens immer noch ganz dicht. Und den könnte man wenigstens immer noch in den Arsch ficken. Das sagte er und ich übertreibe nicht. Am Ende waren trotz allem die Frauen die Egomanen und er normal. Arschficken inklusive.

Ich war fast bis zum Ende vernünftig geblieben. Ich habe mich erklärt, habe nicht geschrien. War einfühlsam, verständnisvoll. Doch am Ende sind die Frauen die Arschlöcher und die Egomanen.

Doch zum Glück: Am Ende habe ich doch die Fassung verloren; Ich bin weg gegangen — und dann wieder zurück. Und wenigstens habe ich ihm gesagt, dass er trotz seinen 37 Jahren immer noch nichts verstanden hat. Immer noch keine Ahnung von Frauen. Von Menschen. Immer noch ein Arschloch.

Und ich sage es nicht einmal gerne. Niemand sollte ein Arschloch genannt werden.

Am Ende stimmt nur eins: Ich bin gescheitert. Ich bin darin gescheitert, einem Mann das Menschsein zu erklären. Ich bin darin gescheitert, einem Mann zu erklären dass eine Frau auch nur ein Mensch ist. Dass Männer und Frauen nur das Gleiche wollen. Dass Männer und Frauen sich in fast nichts unterscheiden.

Ich bin gescheitert. Und dieses Scheitern ist meins.

Diese Nacht war desaströs. Sie hat so einiges vernichtet, was ich über Männer und Frauen zu wissen glaubte.