Nothing lost

Was machst du denn den ganzen Tag? höre ich sie sagen. Ich weiß nicht, ob ich es als Vorwurf oder als ernsthafte Interessensbekundung auffassen soll. Ich bin skeptisch. Vor meinem inneren Auge flimmern die Stunden vorbei, in denen ich Youtube schaue oder auf Instagram scrolle. Aber auch die sinnvollen Dinge, wie Bücher lesen, aus denen ich (spirituelle) Entwicklung und persönliche Erweiterung schöpfen kann. Und manches davon gilt auch für die Nutzung des Internets. Nicht alles ist bloße Unterhaltung. Doch was soll ich antworten? Es fühlt sich an, als würde eine große Leere vom Inneren meines Kopfes Besitz nehmen. In der Magen- und Herzgegend krampft sich gleichzeitig etwas zusammen. Nichts … Alles mögliche …
Warum fühle ich mich, als müsste ich mich rechtfertigen? Muss ich das denn? Ich schnorre nie um Geld oder andere Dinge. Ich kann doch mein Leben führen, wie ich will.

Du musst etwas aus deinem Leben machen, du kannst nicht einfach nur abwarten. Warten, worauf? – Tue ich das denn? In gewisser Weise vielleicht schon. Auf Inspiration warte ich vielleicht. Aber es gibt doch auch so Phasen. Was soll ich denn mit meinem kranken Hund, der gerade rund um die Uhr Betreuung braucht, anfangen? Weg damit? Es gibt so Phasen im Leben. Und vielleicht kommt diese Periode genau richtig, denn ich brauche tatsächlich eine Auszeit. Zeit zum Nachdenken und recherchieren. Es ist oft nicht mit ein paar Tagen getan. Oft braucht man eben Wochen und Monate. Ich wollte den Sommer damit verbringen, nun verbringe ich eben den Winter damit. Ist vielleicht besser so. Kurze Tage, lange Nächte, schlechtes Wetter, Kälte. Was soll man mit so etwas besseres anfangen, als nachdenken? Ich habe irgendwann, vor kurzem jedoch ist es erst gewesen, beschlossen, dass ich auf „das Universum“ bzw. „das Leben“, man könnte auch sagen auf „Gott”, vertrauen möchte. Es wird schon etwas Sinnvolles dabei rauskommen. Ich darf nur keine Angst haben. Darf mich nicht gegen die Zeichen sträuben, die ich wahrnehme. Darf nicht abblocken. 

Es gibt kein zu spät, es gibt kein „Vergeuden“ des Lebens. Es ist immer so, wie es sein soll und sein muss. Im Endeffekt tut jeder sein Bestes. Man kann auch keine Blume zum Blühen zwingen, kann die Blütenblätter nicht aufreissen oder aufdrücken, das zerstört nur alles. Eine Blume muss von selbst blühen, oder eben nicht, doch erzwingen kann man nichts. 

So ist es auch mit dem Leben eines Menschen. Vielleicht kann er sich entfalten, und etwas Wundervolles kommt zum Vorschein. Vielleicht hat er ein herkömmliches, einfaches, ja sogar banales Leben. Wie banal es auch anmuten mag, für die Menschen die diese Person gekannt und geliebt haben, ist auch das banalste Leben nicht umsonst und nicht banal. Es gibt fast niemanden, der niemandem etwas bedeutet. Man muss also keine Heerschar an „Jüngern“ um sich haben, keine Millionen oder Tausende „Follower“, niemanden, der dauernd den „Like-Button“ betätigt. Es reicht auch zu wissen, dass es ein paar Menschen gibt, die einen schätzen.

Was soll also dieser Stress? Was muss man denn aus seinem Leben machen? Ich weiß keine Antwort darauf, ich weiß nur, dass das Intelligenteste, das ich zu diesem Thema je gehört habe ist,

You came with nothing, you go with nothing. What have you lost? Nothing!

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