Der Weltenbauer

Jemand kam eines Abends zu mir, um mir das neueste Gadget am Markt mit dazugehörigem Abo zu verkaufen. Es wäre ein „Weltenbauer“, sagte er. Wenn man ihn einschaltet, könnte man jede beliebige Welt um einen herum erschaffen, in der man sich bewegt, die man erlebt. Gegenstände, Menschen, Storyboards. Ich schlug sein Angebot vehement ab. – In meiner Wohnung gab es noch einen alten Fernseher und einen Plattenspieler. Das modernste, das ich verwende, waren MP-3 Player und digitale Hörbücher. Ich habe die noch old-school mäßig abgespeichert und bezog keinerlei Abo in die Richtung. Dabei sollte es auch bleiben. – Der Vertreter ließ sich aber nicht so einfach abwimmeln – ich begann mit ihm zu streiten und sagte, „ich will in euerer Welt nicht sein, das geht mir viel zu schnell, ich will meine Dinge behalten…“, bevor ich ihn schließlich hinauswarf.

Nachdem er gegangen war, dachte ich über sein Angebot nach, wie es wäre, in eine andere Welt einzutauchen. Ich sah mir meine Wohnnung an, und stellte mir die Frage, „wie echt ist diese Welt überhaupt? Ist nicht alles Simulation?“ Wenigstens eine Simulation, die ich schon kenne, sagte ich mir.
Da bemerkte ich, dass er seinen „MP-3-Player“ bei mir vergessen hatte. Ein kleines Flaches Ding, mit Steuerung über einen sensitiven Kreis auf der Vorderseite. Unten hatte es einen kleinen Knopf, den man hin- und herschieben konnte. Während ich gerade das Ding studierte, bemerkte der Vertreter wohl auch sein Fehlen; ich hörte ihn über den offenen Balkon rufen. Froh darüber, ging ich zum Balkon und lotste ihn durch Zurufe in eine Richtung, wo ich das Ding aus dem offenen Fenster werfen könnte. Bevor ich warf, sah ich noch einmal aufs Display, das diesmal lesbar war. Es stand etwas darauf.
„Haben Sie etwas gedrückt?“, rief er, „Nur ein falscher Knopfdruck und diese Welt verwandelt sich. Sie können sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn sie jetzt auf „Play“ oder „Like“ gedrückt hätten.“ – „Habe ich nicht“, antwortete ich. Ich hatte den Feststellknopf aktiviert. (Ich kannte das bereits von meinem MP3-Player.) Mitten im Schwung für den Wurf bemerkte ich, dass der Feststellknopf nicht richtig fest saß, sondern langsam in seine Ausgangsposition zurückrutschte. Ich ignorierte das Problem und warf trotzdem.

Das Ding landet auf dem obersten Ast eines Baumes, dann rutscht es hinunter, in das Dickicht des Gartens. Während es rutscht, wird es dunkel und düster um uns herum. Man hört unzuordenbare Schreie. Ich realisiere, dass es doch gestartet hat und alles darum herum für die Konstruktion der Welt verwendet. Aus einem Impuls heraus, springe ich hinaus, auf den Baum und rutsche natürlich hinunter, Richtung Boden. Ich hörte Schüsse, Schreien – befinde ich mich in einem Krieg? Wir müssen das Gerät wiederfinden, um es abzustellen und zurück in unsere Realität zu gelangen. Doch der Garten ist jetzt ein Morast. Lianen, Dunkelheit…

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