Warum mit dem Rad

Wieso ich eigentlich mit dem Fahrrad reisen will?

Schon Henry David Thoreau schrieb: „Ich weiß aus Erfahrung, dass derjenige, welcher zu Fuß geht, am schnellsten reist.“ Dazu gleich mehr.

Als ich angefangen habe über eine längere Reise nachzudenken, habe ich vorerst alles in Betracht gezogen: Zug, Auto, Fahrrad, zu fuß. Jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und Nachteile.

Zuerst tritt eines der elementarsten Gesetze in Kraft, auf das ich in letzter Zeit immer wieder zurückgekommen bin – und das auch in Thoreaus Zitat anklingt. Es trifft einfach fast immer zu: Entweder man hat Zeit, oder man hat Geld. Mit Geld lässt sich also, anders gesagt, ein Mangel an Geld kompensieren. Und meistens auch umgekehrt. Ich habe viel darüber nachgedacht und es ist mir immer wieder aufgefallen:
Man kann essen gehen, wenn man keine Zeit zum Kochen hat – kostet ein Vielfaches.
Man kann, wenn man übersiedelt theoretisch alles „einzeln“ übersiedeln. Oder man hat ein Auto. Oder man heuert jemanden an. Die zwei letzten Möglichkeiten kosten um einiges mehr als die erste Möglichkeit, die zu Fuß sogar gratis oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (wenn man ein Abo) hat „fast gratis“ ist. Weil man Das Abo sowieso zahlt.
Gar nicht zu reden von all den Dingen, wo man jemanden bezahlt, damit sie das für einen übernehmen, wenn man selber erwerbstätig ist: Auf Kinder aufpassen, Hundesitte, Putzen bis hin zum Haus bauen (das man auch eigenhändig machen könnte, wenn man die Zeit hätte)…
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Aufs Reisen trifft das erst recht zu: Man hat die Möglichkeit einige Monate zu sparen um sich eine Reise zu kaufen (Zugticket oder Flugticket, je nachdem), oder man geht zu Fuß hin. Was quasi gratis ist. Noch einmal zu Henry D. Thoreau und seinem Zitat: „Ich weiß aus Erfahrung, dass derjenige, welcher zu Fuß geht, am schnellsten reist. Ich sage zu meinem Freunde: ‚Lass uns einmal versuchen, wer zuerst hinkommt: Dreißig Meilen beträgt die Entfernung, neunzig Cent ist der Fahrpreis. Das ist fast ein Taglohn. Ich kann mich noch recht gut erinnern, dass hier, gerade an dieser Eisenbahnlinie, die Arbeiter sechzig Cent pro Tag erhielten. Also gut: Ich gehe jetzt zu Fuß und treffe dort vor Anbruch der Nacht ein. Ich habe wochenlang solche Märsche gemacht. Sie werden sich inzwischen das Fahrtgeld verdienen und dort zu irgendeiner Zeit morgens oder vielleicht auch noch heute Abend eintreffen, vorausgesetzt das Sie Glück haben und sofort eine Beschäftigung finden. Anstatt nach Fitchburg zu gehen, arbeiten Sie fast den ganzen Tag. Darum glaube ich auch, dass ich Ihnen, selbst wenn die Eisenbahn die ganze Welt umspannen würde, immer vorau sein würde.“
Man muss dazu sagen dass Thoreau im 19.Jh. lebte. Doch so ähnlich könnte man auch heute noch argumentieren… Nun, ich nehme das Rad. Nicht ganz gratis, aber wie schon Stefan, mein geschätzter Radverkäufer von Velobis sagte: „Ich schicke die Leute für unter 1500€ um die Welt. Ein Wahnsinn, eigentlich!“

Und weil ich der Typ bin, der meistens eher mehr Zeit hat (und haben will), als Geld, ging die Entscheidung eben in diese Richtung. Zur Erläuterung:

Ich besitze kein Auto, wenn ich mir ein halbwegs vernünftiges Auto kaufen wollte, müsste ich mehrere Tausend Euro sparen und dann hätte ich immer noch keine Ersparnisse für die Reise an sich (Wohnen, Essen…). Und dann käme auch noch der Sprit hinzu, der auch nicht gerade billig ist.

Auch Zugtickets sind nicht gerade ein Schnäppchen, wie wir wissen, selbst Interrail hat den Haken, dass man immer wieder Aufpreise für diverse Züge zusätzlich zum Interrailticket zahlen muss.

Außerdem schied das Zugfahren aber relativ bald aus, weil das mit Hund nicht gerade witzig ist. Ich bin schon ein paar Mal längere Strecken mit dem Zug mit Hund gefahren und habe festgestellt, dass das Problem im Design liegt. Mein Hund hat nun wirklich keine Probleme mit dem Zugfahren – aber der Zug mit ihm. Kurz gesagt: er kann nirgends liegen. Am Boden liegt er im Weg und läuft Gefahr unter die Füße zu geraten. Auf den Sitz darf er nicht und die Leute regen sich auf, dass er einen (oder sogar zwei!) Sitzplätze einnimmt. Was ich auch verstehe. Aber wo um Himmels Willen soll ich ihn hintun? Hier gibt es einfach keine Lösung. Ich habe schon alles probiert. Sobald der Zug voll ist und die Leute nach Sitzplätzen suchen müssen, habe ich ein Problem. Der Hund wird immer als nicht existenzberechtigt angesehen. Obwohl ich für ihn eine Karte kaufen muss.

Bleibt noch der Fußweg, den ich ja offensichtlich auch ausgeschlossen habe: Er dauert dann doch zu lange. Zumindest für diese Reise. Und er ist noch beschwerlicher, Die Belastung für Füße und Knie ist beträchtlich, wie ich am eigenen Leib erfahren habe, als ich einmal mit einer Gruppe von Kasten beim Böheimkirchen (NÖ) nach Mariazell gepilgert bin (ca 60 km). Ich konnte nach den 2 Tagen mehrere Wochen nicht beschwerdefrei Stiegen steigen weil meine Knie so geschmerzt haben. Mag sein, dass es an der plötzlichen Überbelastung lag (ich konnte mir die Tagesabschnitte nicht frei einteilen). Aber ich denke einfach, ein Fahrrad ist so praktisch: Es ist nicht zu schnell und nicht zu langsam. Gerade richtig. Kostet nicht zu viel und ist noch relativ einfach zu warten und zu reparieren. Man muss nicht alles auf dem Rücken tragen. Es braucht aber auch keinen Sprit. Einfach ideal! Eine geniale Erfindung, meiner Meinung nach.

Und dann ist auch noch die Frage: welche Erfahrungen mache ich mit welchen Verkehrsmitteln? Wie wird mein Alltag mit den jeweiligen Verkehrsmitteln aussehen?
Im Auto: Sehr viel Autobahn, man kann auch die Landstraße nehmen, doch meistens siegt die Ökonomie und man nimmt die flottere und „günstigere“ Autobahn (günstiger, was den Spritverbrauch angeht). Man steigt auf faden Raststätten aus, die alle gleich aussehen und auch das gleiche Essen servieren. Man sieht die Landschaft, die man durchfährt nur auszugsweise, sowohl was die Ausblicke anbelangt, denn meistens sind die Autobahnen am Rand dicht bepflanzt oder durch Schallwände abgegrenzt, um den Lärm einzudämmen, als auch was die Dauer des Blickes anbelangt. Selbst wenn man über eine spektakuläre Brücke fährt, kann man nicht gut zur Seite schauen (bei 130 km/h) und anhalten kommt sowieso nicht in Frage. Man steigt abends aus, reibt sich die müden Augen (vom geradeaus starren) und reckt die geplätteten Kochen. Beim Radeln habe ich auch Schmerzen aber wenigstens habe ich Sport gemacht. Beim Autofahren sitzt man sich einfach nur den Hintern platt.

Und außerdem: ich will was vom Reisen haben. Ich will nicht nur irgendwo schnell ankommen und dort dann sein, sondern ich will das Reisen selbst wahrnehmen. Irgendwo ist es auch gut, die Distanz, die man zurücklegt, zu spüren. Dann weiß man, dass man wirklich gereist ist.
Gerade beim Fliegen habe ich oft das Gefühl, das Gandhi einmal beschrieben hat: „Mein Köper ist zwar schon da, aber mein Geist ist noch nicht angekommen.“

Ermutigt hat mich das Wissen, dass es schon gemacht wurde: Eine Frau und ein Mann, ca. in meinem Alter, haben es vorgemacht. Sie sind mit ihren Fahrrädern mit jeweils einem Hund im Schlepptau von Deutschland nach Asien geradelt.

Und es gibt unzählige Beispiele von Leuten, die Weltreisen mit dem Fahrrad unternommen haben. Es ist also beinahe schon banal. Fast komisch, dass sich die meisten immer noch wundern…. 😃

2 Kommentare bei „Warum mit dem Rad“

  1. Motorrad ist auch ein klasse Option 😉 *G*

    1. Ja, mag sein. Habe aber weder einen Motorradführerschein noch bin ich je Motorrad gefahren. Aber macht sicher auch Spaß. Ist halt auch eher zum schnell schauen. 😉

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