1. Tag

Erste Etappe: Wien – Zwentendorf, knapp 50 km. Eigentlich wollte ich bis Krems, aber dann stand doch der Genuss im Vordergrund: Pause zum Mittagessen (Einkauf beim Billa) am Tullner Hauptplatz: Es ist schön, so eine kleine österreichische Stadt einmal ohne Ziel und Absicht zu besuchen, einfach schauen, beobachten…
„Dieser Kakau hat viel mehr Kalorien pro 100ml.“ – „Ok, dann nehme ich auch den.“ So ein Dialog kann wohl nur dann stattfinden, wenn man möglichst viel Kalorien in möglichst wenig Volumen verpackt einkaufen will. Oder wenn man vom Radfahren riesigen Hunger hat.

Warum mit dem Rad

Wieso ich eigentlich mit dem Fahrrad reisen will?

Schon Henry David Thoreau schrieb: „Ich weiß aus Erfahrung, dass derjenige, welcher zu Fuß geht, am schnellsten reist.“ Dazu gleich mehr.

Als ich angefangen habe über eine längere Reise nachzudenken, habe ich vorerst alles in Betracht gezogen: Zug, Auto, Fahrrad, zu fuß. Jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und Nachteile.

Zuerst tritt eines der elementarsten Gesetze in Kraft, auf das ich in letzter Zeit immer wieder zurückgekommen bin – und das auch in Thoreaus Zitat anklingt. Es trifft einfach fast immer zu: Entweder man hat Zeit, oder man hat Geld. Mit Geld lässt sich also, anders gesagt, ein Mangel an Geld kompensieren. Und meistens auch umgekehrt. Ich habe viel darüber nachgedacht und es ist mir immer wieder aufgefallen:

Abschied nehmen

Man weiß nicht, was man fühlen wird, bis man es fühlt.

Irgendwie dachte ich wohl nicht darüber nach, oder ich dachte es würde leicht werden, wahrscheinlich dachte ich jedoch einfach gar nicht daran, wie es werden würde Abschied zu nehmen. Doch jetzt ist es so weit. Immer wieder passiert es: Ich muss Abschied nehmen.

Wenn man sich plötzlich nackt fühlt ohne Wiener Linien Jahreskarte, weiß man, man ist fix Wienerin. Oder einfach schon sehr lang in Wien.
Aber Abschiede bahnen sich ihren Weg auch auf andere Weisen zu mir.

Immer wieder wenn ich mich mit jemanden treffe, heißt es zum Schluss: „Falls wir uns nicht mehr sehen, ich wünsche dir…“ Und dann fühle ich, oh shit – this is for real. Genauso als ich heute meine Wiener Linien Jahreskarte abgegeben habe. Ein kleiner Stich ins Herz.

Abschiede tun ein bisschen weh, bringen sie uns doch immer wieder vor Augen, dass die große Veränderung jetzt direkt ansteht. Was auch, sein wird, es wird nicht mehr so sein wie vorher. Und dann ist da doch diese Angst vor dem Unbekannten. Diese Angst, über die man dachte, man hätte sie nicht, man stünde da drüber. Nope. Sie ist da. Man konnte sie sich nur nicht konkret vorstellen.

Denn man weiß nicht, genau was man fühlen wird, bis man es fühlt…