Heimkommen und Weggehen

Das Reisen hat noch einen anderen Vorteil, neben all den neuen Eindrücken und Erfahrungen, die man sammelt: Man lernt auch das mehr zu schätzen, was man schon hat.

Als ich am Mittwoch wieder in Wien angekommen bin, war das wie eine Erleichterung: Ich bin zuhause. Hier kenne ich mich aus. Ich weiß, wo ich schlafen werde und mein Bett ist bequem und beruhigend. Als ich die Tür zu meiner Wohnung öffnete, spürte ich schon, dass ich sie mag. Ich mochte, wie es drinnen aussah, ich mochte die Sicherheit, die sie ausstrahlt.

Ich genoss es so sehr wieder zu Hause zu sein, dass ich mir sofort anfing Sorgen zu machen, ob ich wohl je wieder weg wollen würde. Ich dachte mir, was ist, wenn ich gar keine Lust mehr auf Reisen haben werde? Soll es das schon gewesen sein. Vier einhalb Tage Fahrrad fahren? War das das große Abenteuer?

Sofort kam auch die Versagensangst ins Spiel. „Ich werde es nicht mehr schaffen. Ich werde mich lächerlich machen.“ Denn ich habe ja schon so viel Wirbel um diese Reise gemacht, dass ich nun einen selbst erzeugten Druck verspüre, es durchzuziehen. Über das Versagen und Versagensangst will ich gleich noch mehr sagen, doch zuerst zurück zum Ankommen und Weggehen.

In den letzten paar Tagen habe ich mein Fahrrad auf Vordermann bringen lassen, denn die Platte, wo der Fahrradständer angebracht war, hatte sich von all dem Gewicht verbogen und der Ständer funktionierte nicht mehr. Das Fahrrad konnte nicht mehr alleine stehen, was auf Reisen sehr umständlich werden kann. Es wurde danach ein komplettes Service gemacht, wo zuallererst die Speichen nachgezogen wurden, dann alle Schrauben überprüft und angezogen wurden und schließlich der Reifendruck überprüft und ergänzt wurde.
Dann bekam ich noch einen Tacho, dass ich endlich genau weiß, wie viel Strecke ich zurück lege und mich auch mit Karten besser orientieren kann (ohne GPS). Wenn man nicht weiß, wie weit man überhaupt schon gefahren ist, kann das ein bisschen schwer sein.

Ich habe mir Kartenmaterial (in Papierform) gekauft, mir noch eine Fahrradtasche für den Lenker zugelegt, sowie ein Regenhose. Da das Wetter anscheinend nicht nur schön sein wird (welch Überraschung).

Und dann, nach all diesen Vorbereitungen, besonders als ich meine Karten durchgesehen habe und die Planung für die nächsten Wochen grob überschlagen habe, kam sie wieder: Die Reiselust.

Wien ist schön. Ankommen ist schön, doch auch das Weggehen.
Ich weiß jetzt schon, dass es mir wieder ein bisschen das Herz brechen wird meinen Hund zurückzulassen, meine Freunde zurückzulassen und meine Familie. Mein gewohnte Umgebung, die Sicherheit aufzugeben, dass man alles findet, alles, was man braucht um sich hat. All das ist schwierig. Doch man muss Platz schaffen, damit sich Neues darin einfinden kann…

Im nächsten Artikel schreibe ich über Versagen und wie ich die Versagensangst loslasse.

Abschied nehmen

Man weiß nicht, was man fühlen wird, bis man es fühlt.

Irgendwie dachte ich wohl nicht darüber nach, oder ich dachte es würde leicht werden, wahrscheinlich dachte ich jedoch einfach gar nicht daran, wie es werden würde Abschied zu nehmen. Doch jetzt ist es so weit. Immer wieder passiert es: Ich muss Abschied nehmen.

Wenn man sich plötzlich nackt fühlt ohne Wiener Linien Jahreskarte, weiß man, man ist fix Wienerin. Oder einfach schon sehr lang in Wien.
Aber Abschiede bahnen sich ihren Weg auch auf andere Weisen zu mir.

Immer wieder wenn ich mich mit jemanden treffe, heißt es zum Schluss: „Falls wir uns nicht mehr sehen, ich wünsche dir…“ Und dann fühle ich, oh shit – this is for real. Genauso als ich heute meine Wiener Linien Jahreskarte abgegeben habe. Ein kleiner Stich ins Herz.

Abschiede tun ein bisschen weh, bringen sie uns doch immer wieder vor Augen, dass die große Veränderung jetzt direkt ansteht. Was auch, sein wird, es wird nicht mehr so sein wie vorher. Und dann ist da doch diese Angst vor dem Unbekannten. Diese Angst, über die man dachte, man hätte sie nicht, man stünde da drüber. Nope. Sie ist da. Man konnte sie sich nur nicht konkret vorstellen.

Denn man weiß nicht, genau was man fühlen wird, bis man es fühlt…