Ungewollter Aufenthalt in Mainz

So lange die Sonne scheint, ist alles einfach, vielleicht nicht einfach, aber es ist ok und die meiste Zeit leicht zu ertragen, sogar wenn es anstrengend ist. „Summertime and the living is easy.“ Doch heute, als ich Frankfurt verließ, regnete es. Ich legte Regenjacke und Regenhose an und dachte, „vom Regen kann ich mich nicht aufhalten lassen, da komme ich ja nie irgendwo hin“. Und so fuhr ich. Nach den ersten paar Kilometern war ich verärgert, denn es hörte nicht auf. Dann fuhr ich weiter, ich war noch bei der Post, war dann noch kurz Verpflegung einkaufen. Es regnete immer noch und es wurde stärker. Als ich einen kleinen Ort gleich nach Frankfurt verließ, zweifelte ich schon, „hätte ich wirklich weiterfahren sollen“? Ich begann auch noch leicht zu frieren und war mir nicht sicher, ob die Nässe schon durch meine Regensachen durchkam, oder ob ich einfach nur die Kälte des Wassers durchspürte. Bei einer kleinen Überdachung, einem Pavillon gleich, mitten im Nirgendwo hielt ich an um einen Pullover unter der Jacke anzuziehen. Ich stellte fest, dass ich noch alles trocken war und nachdem ich den Pullover angezogen hatte, fühlte ich mich wohl.

Frankfurt am Main

IMG_20160801_165445869Ich war bisher noch nie in einem Waschsalon, damit ist Frankfurt in dieser Hinsicht mein erstes Mal. Was soll man sonst in Frankfurt machen? Ich habe die Skyline gesehen, die Altstadt schnell besichtigt, ja ein, zwei Plätze sind ganz schön, aber nach mehr verlangt es mich nicht in Frankfurt. Hingegen ist meine komplette Kleidung dringend waschbedürftig. Ein T-Shirt, das ich mit der Hand gewaschen habe hat nach dem Trocknen noch immer die selben Schmutzflecken und all meine Radkleidung ist schweißdurchtränkt, getrocknet und wieder und wieder schweißdurchtränkt.

Endlich am Main

Heute bin ich von Würzburg bis Miltenberg gefahren. Ein Ort, dessen Namen ich jedes Mal wieder nachschauen muss, weil ich ihn mir nicht merke. Wenn man jeden Tag durch so viel kleinere und größere Dörfer und Städte fährt, kann man mit den Namen schon einmal durcheinander kommen. Jeden Tag muss ich mir meine neue Route heraussuchen und die Orte dazwischen aufschreiben, damit ich weiß welchen Wegweisern ich folgen muss und damit ich mich auf der Karte schneller zurechtfinde. Und am nächsten Tag sind die meisten wieder in Vergessenheit geraten und neue Städte und Dörfer sind an der Reihe.

Zum ersten Mal seit meiner ersten Abreise bin ich heute wieder in Begleitung gefahren. In Würzburg war ein Frau, in ungefähr meinem Alter, beim gleichen Gastgeber (wie erwähnt, warmshowers.org) untergebracht. Sie ist aus Ungarn und ist von Budapest bis hierher gefahren. Doch nicht nur war sie in der gleichen Unterkunft, sie hat auch den gleichen Weg wie ich. Sie will nach Brüssel, ihren Freund besuchen und absolviert gleichzeitig ein Training für den Iron Man. Sie ist mit einem Rennrad unterwegs, doch nach 8 Tagen Fahrt, wo sie jeweils 100 bis 150 km täglich zurückgelegt hat, war sie doch schon ziemlich erschöpft und hat gemeint, sie fährt gerne mit mir etwas langsamer mit, beziehungsweise sie würde inzwischen sowieso langsamer fahren weil ihre Muskeln schmerzten.

Wenn man zusammen fährt, redet man manchmal viel; wir fuhren, den Deutschen zum trotz, immer wieder nebeneinander. Manche Deutsche scheinen sich oft und gerne darüber aufzuregen, doch der Radweg ist 90% der der Zeit frei und wir machen gerne Platz, wenn jemand entgegenkommt oder überholen will. Und so schwanden die Kilometer dahin. Ich bin heute 84 km gefahren und Dora ist weiter gefahren. Sie übernachtet in einem anderen Ort, wo sie sich zuvor ein Hotel gebucht hat, ca. 20 km weiter. Morgen werden wir uns vielleicht in Frankfurt wiedersehen. Doch wahrscheinlich werden wir getrennt weiter fahren, da sie ihre Übernachtungen in 100 km Abständen geplant hat.

Die Gegend am Main ist, wie erwartet, wirklich schön. Links und rechts des Flusses erheben sich hohe Hügel, meistens bewaldet, manchmal kleine Ortschaften und neben dem Wasser weitet sich die Landschaft oft zu kleinen Ebenen, Wiesen, auf denen Pferde grasen, oder wie so oft, Weizen oder Gerste angebaut wird. Die Steigungen haben wir, seitdem wir am Main angekommen sind, hinter uns gelassen und können uns meist fast ebener Strecke an den Aussichten erfreuen.

Endlich konnte ich heute meine Campingausrüstung wieder auspacken. Seit Tagen schleppe ich das Zeug völlig nutzlos herum – ich bin heute richtig froh Zelt, Matte und Schlafsack wieder in Einsatz zu bringen. Auch den Kocher werde ich morgen früh anwerfen um mir ein Müsli kurz aufzukochen und mir dadurch ein ordentliches Frühstück zuzubereiten. Dann komme ich mir mit meinen 40 kg Gepäck nicht mehr gar so lächerlich vor – hat ja alles seinen Zweck. Ohnehin ziehen die meisten ein komisches Gesicht, wenn sie all meine Taschen sehen, doch immer noch weiß ich nicht worauf ich verzichten sollte, außer wenn ich ganz aus Campen verzichte.

Da ich heute nur Internet übers Handy-Roaming habe, muss ich wohl die Fotos ein anderes Mal hochladen. Ich hoffe jedoch meine Worte haben auch so ein paar schöne Bilder in euren Köpfen erzeugt.

Bis bald!

Update (1.8.2016): Ein paar Fotos von meiner Reise entlang des Mains, von Wertheim nach Frankfurt.

Würzburg

Heute bin ich wieder ca. 70 km gefahren und bin um 16 Uhr in Würzburg angekommen. Ich habe wieder eine Unterkunft über warmshowers gefunden. Zufällig ist noch eine andere junge Frau aus Budapest hier angekommen und weil unser Gastgeber zwei Zimmer frei hat, sind wir beide hier untergekommen. Er hat uns auch kurz die Stadt gezeigt und wir haben noch einen Radler in einem Biergarten getrundken und über Billigflüge und steigende Wohnungspreise in Budapest, angeblich durch airbnb verursacht, geredet.

Außerdem stammen der Gastgeber und auch seine Frau, die aber gerade nicht zuhause ist, aus Belgien, wo ich als nächstes hinwill. Daher hat er mir einiges über die Fahrradwege und die Radkultur erzählen können – nur positives, natürlich. Die Fahrrad-Infrastruktur ist im Norden gut ausgebaut und es soll auch interessant und abwechslungsreich zum Fahren sein.

Die Landschaft hier in Deutschland ist von intensiver Landwirtschaft geprägt. Ich fahre meistens zwischen Mais- und Getreidefeldern. Rund um Würzburg wird auch viel Wein angebaut. Die Orte, kleine Dörfer und Städte, sind oft erstaunlich hübsch anzusehen. Man erwartet nichts und – bam – steht man plötzlich vor einem kleinen Juwel. Trotzdem würde ich mir teilweise mehr Natur zum Bewundern wünschen, denn auch das Navigieren fällt schwer, wenn man alle 4 km erneut seinen Weg durch so ein Dorf finden muss, dass man wieder auf dem richtigen Radweg herauskommt.

Ab morgen fahre ich noch ein kleines Stück über Land und dann das Meiste am Main-Radweg entlang. Das wird wieder etwas einfacher.

Es folgen ein paar Impressionen: