Zaghafter Fühling

Es ist Mitte März. Noch nicht Frühling aber auch nicht mehr Winter. Auch wenn letztgenannter sich vor wenigen Tagen noch einmal aufgebäumt, uns sein ganzes Können noch einmal demonstriert hat, indem er uns mehrere Wochen mit Kältegraden weit unter Null und mancherorts mit beträchtlichen Schneemassen eingedeckt hat. Doch jetzt hat auch dieses Aufbäumen ein Ende, so scheint es. Wir messen um die 10 Grad plus, sogar am Abend weht einem ein geradezu milder Windhauch um die Nase. Die Lokale in Wien beginnen die Konstruktionen für die Gastgärten vorzubereiten, die Rauchergruppen vor den Restaurants sind nicht selten größer als die Anzahl der Leute in den Räumlichkeiten. Wenn man durch die Gassen spaziert hört man Gelächter und Musik aus offenen Fenstern. Junge Leute halten in einem Altbau im zweiten Stock eine Party und sehen auf die Straße herunter, fast so, als wollten sie sagen, seht her, wie viel Spaß wir haben. Und ja, man ist geneigt neidisch zu sein.
Man bildet sich ein, den Sommer schon förmlich zu riechen. Bald, ja bald, wird man spät abends noch vor der Dämmerung auf den Stufen einer Kirche oder Denkmals sitzen können und mit seinen besten Freunden eine Flasche Wein oder ein paar Dosen Bier teilen. Die Bierkuriere, die illegal um 2€ kaltes Dosenbier verchecken, werden wieder ihre unauffälligen Runden drehen. Kleine Musikfestivals wieder an fast jedem Wochenende. Nie enden wollende Abende. Wenn man aus der Arbeit geht, ist der Tag noch nicht vorbei, sondern am Anfang. So fühlt sich der Fast-Frühlingsbeginn an. Doch die Bäume tragen noch keine Blüten, die Knospen sind erst am austreiben. Die Stadt ist noch grau. Und doch… Frühling wir können es kaum erwarten!

2 Kommentare bei „Zaghafter Fühling“

  1. Der Text fängt das warme und zuversichtliche Gefühl, das man am beginnenden Frühling hat, sehr schön ein.
    Ich mag die Mikrotexte, mehr davon 🙂

  2. Danke! Das freut mich sehr. 🙂

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