Reise durch den Alltag

Eigentlich sollte man seinen Alltag so planen, wie eine Reise. Wenn man auf Reisen ist, vor allem dann, wenn man (nahezu) jeden Tag weiterreist, wie ich mit dem Fahrrad, ist man gezwungen, sich ständig Gedanken zu machen: über die Route, die Übernachtung, ob man jemanden besucht, was man sich in der nächsten Stadt anschauen wird etc. Dadurch wird es nie langweilig. Es gibt keinen Alltag. Denn jeder Tag ist anders. Jeder Tag hat etwas Neues zu bieten.

Wenn man jedoch zuhause ist, hat man den Alltag: Die Tage habe meist eine Struktur, die man schon vor längerer Zeit festgelegt hat. Sie hat sich eingefahren, sagt man machmal. Oft hat sie sich einfach so ergeben, ohne dass man es groß geplant hätte. Meistens sind die Tage dadurch schon vorstrukturiert, dass man einer Arbeit nachgeht. Arbeit im Sinne von Erwerbsarbeit. Man muss ins Büro oder so. Die Zeit davor und danach, kann man ein bisschen frei gestalten. Je nachdem, wie viel Freizeit bleibt und ob nicht auch diese mit Fixterminen belegt ist – Fitnesskurse oder andere Kurse, Weiterbildungen…

Diese Ausnahme, wie ich sie gerade habe, gibt es selten: Ich bin zuhause und hab doch nichts fixes vor. Nichts, was meinen Alltag strukturiert. Und in diesen Situationen läuft man Gefahr, dem Alltag freie Hand zu lassen. Man lässt sich treiben (was natürlich manchmal gut sein kann), vergisst, dass doch jeder Tag das Potential hätte ziemlich einmalig zu sein. Ich muss mich daran erinnern, dass ich meine „Reise durch den Alltag“ genau so aufmerksam planen könnte, wie ein eine Reise über Felder und Wiesen, durch Wälder und Städte und dass ich zuhause, genau so wie unterwegs, jeden Tag etwas neues erleben könnte – wenn ich dies einplane.

Ich will es versuchen. Doch vielleicht ist diese Reise durch den Alltag sogar schwieriger als die andere, die „normale“ Reise.

Das Bild zeigt das Schaufenster eines Weinlokals in Brügge.