Nürnberg – ein unerwartetes Highlight

Nach dem Körperlichen kommt das Geistige. Letzte Woche war ich ja jeden Tag mit Ausmisten, Heu machen und Unkraut jäten beschäftigt. Habe also die Welt mehr durch meine Hände und Muskelarbeit erlebt und die „Früchte“ meiner körperlichen Arbeit erfahren. Seit gestern hat sich das geändert: Ich bin in die Welt der Kultur eingetaucht. Aber alles der Reihe nach:

Ich habe gestern um 10 Uhr morgens Nürnberg erreicht. Erstaunlich schnell habe ich die 24 km von Roth bis Nürnberg Zentrum hinter mich gelassen und bin wieder in einer Großstadt – Nürnberg hat ca. eine Halbe Million Einwohner. Ich habe mich in einer von einer Burgmauer umfassten Altstadt wiedergefunden, einen Kaffe und eine Mehlspeise von einer Bäckerei genossen und bin dann durch den Markt im Zentrum der Altstadt und die kleinen Gassen flaniert. Ich habe an den Ufern der Pegnitz (der Fluss, der Nürnberg durchfließt) entspannt und habe um 13 Uhr noch einen Teil für mein Fahrrad abgeholt, den mir der Fahrradmechaniker meines Vertrauens nach Nürnberg in eine befreundete Werkstatt liefern hat lassen, weil in Wien nicht mehr genug Zeit dafür war. Doch das sind alles nur Nebensachen, denn das wirklich Tolle kommt erst.

Über warmshowers.org habe ich Christina in Nürnberg kennengelernt, die mir hier ein Bett, Dusche und sogar Abendessen und Frühstück angeboten hat. Doch nicht nur das: Es ist als hätte ich eine alte Freundin wiedergetroffen. Wir hatten unglaublichen Spaß, haben gestern Abend die Altstadt durchstreift und sie hat mir im Schnelldurchlauf alles von Geschichtlichem bis zur sozialen Entwicklung der Stadt alles erzählt: Wo es welche Museen und Geschäfte gibt, wie sich die Stadteile entwickelt haben, wo es das beste Programmkino gibt, und vieles mehr. Von 18 bis 23 Uhr sind wir so gegangen, haben kurz die Burg besucht, sind auf dem beliebtesten Platz gesessen (vor dem Albrecht Dürer Haus) und haben ein Bier bzw. Wein getrunken, während wir dem Treiben rund um uns zugesehen haben und sich der Platz langsam mit Menschen aller Altersstufen gefüllt hat. Auf dem Rückweg hat sie mir die Fleischbrücke gezeigt, die ziemlich an Venedig erinnert und haben den Abend im Casablanca, einem coolen, alten Programmkino ausklingen lassen. Wir haben uns so viel erzählt und haben gelacht – ich habe den Abend sehr genossen. Weil Nürnberg so schön ist und gestern bei weitem nicht genug Zeit war, habe ich beschlossen noch einen Tag zu bleiben und erst morgen weiterzufahren. Christina hat mir die Option auch angeboten – ich darf einen weiteren Tag bei ihr wohnen.

Heute will ich noch einmal losziehen, vielleicht in ein oder zwei Museen gehen und mir die Burg genauer ansehen, denn der Burghof war gestern Abend schon geschlossen. Ich bin so froh hier zu sein!

Einige Eindrücke aus Nürnberg: