Zuhause ist es doch am schönsten

Version 2

Rayo’s Sicht

Juhu! Wieder daheim. Am Anfang fand ich es noch gut, mir den Wind um die Nase wehen zu lassen. Doch dann stellte ich fest, dass das überhaupt kein Ende mehr nimmt. Und dann diese brütende Hitze! Nichts für mich. Bei über 25° C will ich eigentlich nur noch das nötigste gehen und dann an einem kühlen, schattigen Ort entspannen. Das einzig coole war in der Donau zu plantschen und bei Marta Essen mitzunaschen. Die gab mir noch mehr als sonst von ihrem Essen. Da hat wohl das schlechte Gewissen mitgespielt.
Home, sweet home. Jetzt weiß ich das Nichtstun so richtig zu schätzen.

5. Tag – Zurück an den Start

Ich habe es im Newsletter schon angekündigt, ich werde die Idee Rayo mitzunehmen vorerst aufgeben. Vielleicht ein anderes Mal, auf kürzeren Ausflügen in der Umgebung, aber diese Reise ist ihm zu viel – er war die letzten zwei Tage, müde, teilnahmslos und schwierig. Deshalb bin ich heute die 24 km von Aschach wieder zurück nach Linz geradelt, habe die Westbahn nach Wien genommen und bin jetzt wieder in meiner Wohnung in Wien. Rayo, Rad, Anhänger und Gepäck inklusive.

Gestern, während meiner Fahrt von Linz nach Aschach, habe ich über Entscheidungen nachgedacht. Als ich in Aschach angekommen war, hatte ich entschieden, Rayo zurück nach Wien zu bringen.

Aber zurück zu meinen Gedanken: Es ist sowieso immer schwierig eine wichtige Entscheidung zu treffen. Aber auch danach, nachdem man sie getroffen hat, kann es sein, dass man sich fragt, ob es die richtige war: Warum will ich diese Reise machen? Warum so, warum jetzt…? Natürlich gab es und gibt es Momente in denen ich an meiner Entscheidung zweifele, oder sagen wir, sie hinterfrage. Doch es ist nicht schwer, mir wieder die Motive vor Augen zu bringen, die ich hatte – neue Eindrücke, die das Leben aufregend und abwechslungsreich machen, neue Erfahrungen, die meine persönliche Entwicklung voranbringen, neuer Stoff für meine Texte, neue Gedanken und Ideen.

Gestern kam mir auf dem Radweg jemand entgegen, der mit seinem Rad ein „Fahrrad-Wohnmobil“ zog. Diese Ideen und – zum Großteil – Prototypen hatte ich mir vor der Reise selbst im Internet angesehen und gestaunt und mich gewundert, ja ich überlegte sogar kurz ihnen nachzueifern und selbst so etwas herzustellen. Ich ließ es dann, doch war gestern aber richtig glücklich so jemanden „in Echt“ zu sehen und habe ihm im Vorbeifahren ein „Thumbs up“ gegeben. Auch habe ich auf meiner Reise zahlreiche Leute gesehen, die z.B. 1 bis 2 Kinder, oder auch den Hund im Anhänger mit dem Fahrrad zogen. Auf dem letzten Campingplatz, wo ich war, waren gleich mehrere Familien, die mit Fahrrad und Anhänger mit den Kindern unterwegs waren. Und kleine Kinder noch dazu. Unter 3 Jahre alt.
Da fühlt man sich gleich weniger verrückt. Es gibt so viele Lebensansätze und -entwürfe. Mit dem Auto oder dem Flugzeug auf Urlaub zu fahren ist nicht die einzige Möglichkeit. Das „andere“ wird alltäglich, wenn man sich unter diese Menschen begibt. Die Fahrrad-„Autobahn“ R1 (auch Eurovelo 6 genannt) hat Beispiele genug. Vorgestern sah ich einen Mann „ohne Arme“ Fahrrad fahren. Er hatte eine spezielle Vorrichtung, um sich mit seinen Händen (die quasi direkt aus den Schultern wuchsen), festzuhalten und das Fahrrad zu lenken.
Was will ich mit diesen Beispielen sagen? Keiner braucht irgendwem sagen, dass irgendwas nicht geht. Alles geht. Und man soll seinen Traum leben und seinem Herzen folgen. Deshalb werde ich auch noch dranbleiben, ich sehe die letzten vier Tage als Teststrecke.

Die nächsten paar Tage werde ich mein Fahrrad servicieren lassen, beim „Gear“ ein bisschen aufrüsten (ich bin auf einige Dinge gekommen), die ich doch noch unbedingt bräuchte – und auf ein paar wenige, die weg können. Rayo kommt zu einer „Pflegestelle“, jemand den er schon kennt und der schon öfter auf ihn aufgepasst hat.

Dann geht es hoffentlich bald wieder weiter. Ich will die Reise wieder aufnehmen, ein Stück mit dem Zug fahren und dann wieder aufs Rad steigen. Meinen Traum habe ich noch nicht aufgegeben.